Die Kunst der Bildschirmschoners PDF Print E-mail
lehre - cdk hangzhou 2.3.-24.4.2009
Thursday, 26 February 2009 00:12


oder: Medienkunst und Abstraktion


Lehrkonzept für das Seminar von Dominik Busch
Chinesisch-Deutsche Kunstakademie, Hangzhou
2. März - 24. April 2009


Thema
Denke ich an Bildschirmschoner, dann denke ich an automatisch ablaufende abstrakte Animationen, die wie Lavalampen in vollkommener Beliebigkeit vor sich hinblubbern. Alle möglichen Variationen, mal kristallin, wässrig oder sphärisch, flimmernd oder träge, chaotisch oder sortiert fallen mir ein. Meist haben sie den Charakter einschläfernder Traumwelten, der Versuch, ihnen längere Zeit zuzusehen, hat Ähnlichkeit mit dem berühmten "Schäfchen zählen".
Ähnliche Erscheinungen finden sich an vielen Stellen: ITunes-Plugins generieren automatisch abstrakte Bilder zu irgendeiner gerade laufenden Musik, Fernsehsender lassen in ihren animierten Logos glitzernde abstrakte Formen durch virtuelle Räume fliegen und VJs erzeugen aggressiv flackernde Muster zu lauten Club-Beats.
Diese Art der abstrakten Beliebigkeit scheint auf gewisse Weise symptomatisch für Teile zeitgenössischer digitaler Kultur zu sein, fast möchte man von einer neuen Form des Kitsches sprechen. Auch drängt sich bei gewissen KünstlerInnen der Verdacht auf, dass sie sich hinter einer gewissen abstrakten Beliebigkeit verschanzen, um einer kritischen Hinterfragung ihrer Werke aus dem Weg zu gehen.
Die Frage ist also: kann ein Bildschirmschoner ein Kunstwerk sein? Was unterscheidet ein solches Kunstwerk von "digitalem Kitsch"?
Interessant wird es, wenn man diese Frage auf alle möglichen Stile und Genres der Medienkunst erweitert. Abstraktion ist in der Kunst seit der klassischen Moderne ein anerkanntes Mittel, die Frage erweitert sich also dahingehend, ob und wie die klassischen Konzepte auf Medienkunst übertragen werden können. Und natürlich gibt es die Herausforderung, eigene, neue Konzepte zu entwickeln.

Zielsetzung
Die TeilnehmerInnen entwickeln medienkünstlerische Strategien, die sich mit den Mitteln und Konzepten der Abstraktion auseinandersetzen. Dies soll anhand eigener künstlerischer Experimente und Arbeiten sowie eines begleitenden Diskurses geschehen.
Die TeilnehmerInnen sind dabei angehalten, geplant und konzeptionell vorzugehen. Diese Arbeitsweise soll zugleich Gegenstand der begleitenden Diskussion sein: Wieviel Konzept braucht, wieviel Konzept verträgt ein Kunstwerk? Wo bleibt Raum für künstlerische Intuition und Improvisation?

Vorgehensweise
Als technisches Mittel zur Umsetzung ist die Software Max/Jitter (www.cycling74.com) vorgesehen. Jede/r TeilnehmerIn erhält im Rahmen des Projektes eine kostenlose temporäre Lizenz.
Die ersten beiden Wochen sind einem Intensiv-Workshop in Max/Jitter vorbehalten, wobei die inhaltlichen Themen angerissen werden. In der dritten Woche erarbeitet jede/r TeilnehmerIn ein Konzept für das Semesterprojekt, um es dann in der verbleibenden Zeit zu realisieren.
Als Impulsgeber findet eine Vortragsreihe statt, die sich wöchentlich mit Abstraktion und Medienkunst beschäftigt. Jede Woche findet außerdem ein Treffen aller TeilnehmerInnen im Klassenplenum statt, um Zwischenergebnisse zu präsentieren und Fragen zu klären.


Aufgaben

Vorbereitung: Kurzpräsentation bisheriger Arbeiten
Jede/r TeilnehmerIn bereitet bis zum 2.März eine kurze Vorstellung der eigenen Arbeit vor (ca. 20 Minuten). Es sollen 1-2 Arbeiten gezeigt werden, die beispielhaft für die eigenen Interessen sind, und in einem kurzen Gespräch die bisherigen Arbeitsschwerpunkte dargestellt sowie Perspektiven und Ziele für die zukünftige Arbeit skizziert werden.

Max/Jitter Intensiv-Workshop
Im Rahmen des Workshops werden mehrere kleine Aufgaben als Übungen bearbeitet. Die Hauptaufgabe ist die Erstellung eines Bildschirmschoners oder eines iTunes-Plugins.

Semesteraufgabe
Die Hauptaufgabe des Semsters ist die Konzeption und Umsetzung einer künstlerischen Medieninstallation, bevorzugt unter Einsatz von Max/Jitter. Für diese Aufgabe ist die Arbeit in Gruppen ausdrücklich zugelassen.

Dokumentation
Alle TeilnehmerInnen dokumentieren fortaufend den Fortschritt ihrer Arbeit in einem eigens eingerichteten Blog. Dabei ist jede Woche mindestens ein Eintrag mit mindestens einer dokumentiernden Abbildung und einem kurzen Text zu machen, häufigere Einträge sind sehr willkommen. Alle Blogs werden auf einer gemeinsamen Plattform angelegt, die noch bekanntgegeben wird.

Zeitplan
KW 10            Einführung, Max/Jitter Workshop 1
2.3. - 3.3        Vorstellung bisheriger Arbeiten der Studierenden
4.3. - 6.3.        Workshop Max/Jitter
KW 11            Max/Jitter Workshop 2
9.3.            Vortrag: Künstlerische Projekte mit Max/Jitter
10.3. - 13.3.        Workshop Max/Jitter
KW 12            Konzeption der Semesteraufgabe
16.3. - 17.3.        Vorstellung der Ideen

18.3.            Vortrag

19.3.            Vertiefung der Konzepte, Beginn Umsetzung
KW 13 - 17        Semesteraufgabe, fester Wochenrhythmus:
Mo            Klassenplenum

Di            Werkstatt

Mi            Vortrag

Do            Werkstatt

Fr            Werkstatt

24.4            Endpräsentation und Ausstellung