KLIMA_gefilde.vermessen PDF Print E-mail
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Uraufführung Pfingsten 2008, Schlosstheater Rheinsberg
Projektion und Bühneninstallation zu Musiktheater von Ralf Hoyer und Susanne Stelzenbach

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SPRECHERIN
claudia muss los, zur arbeit, aber kurz ereilt sie, an diesem strahlenden spätsommermorgen, die vision, die vorgärten ihres viertels könnten in sojafelder umgeformt werden, plantage statt amselweg, treibstoff statt tränendes herz, treibstoff für die zweihundertfünfzig pferdestärken, die sie als alleinstehende mittlere angestellte in ihrer garage hält

ALTUS/SOPRAN
rasenabschlusskante
darauf eine zweiergruppe
gießrand mit carrarakieseln abgesetzt
dänischer zwerglebensbaum
überragt von den hohen blütendolden
der chinesichen prachtspiere fanal

SPRECHERIN
treibstoff für die zweihundert autos, die in dem kleinen beschaulichen viertel in den natürlich hölzernen carports stehen, eins komma sechs pro haushalt, singles einschließlich, treibstoff für die 50 000 ps ihres kleinen beschaulichen viertels

Auszug aus dem Libretto von Barbara Kenneweg

 

 

Klima_gefilde.vermessen ist ein ca. 80-minütiges Musiktheaterstück, bestehend aus neun Teilen von jeweils 5-15 Minuten Länge. Erzählende episodenhafte Passagen wechseln sich mit poetisch reflektierenden und instrumentalen Teilen ab. Die Projektion vermeidet eine filmische Spiegelung des Bühnengeschehens. Sie ist stattdessen als eine bewegte Erweiterung des Bühnenraumes angelegt, die die musikalische und theatrale Inszenierung trägt und einfärbt. Die Projektionen werden live gesteuert, wodurch ein Performancecharacter entsteht und eine enge Einbindung in das Geschehen möglich wird.

 

Aus dem Programmheft
Das Verhältnis des modernen Menschen zum Klima ist eng verbunden mit seinem Verhältnis zur Natur. Die Natur wird unterworfen, ausgebeutet, ignoriert, vernichtet, und die gleichen Menschen, die dies durch ihre Alltagshandlungen tun, sehnen sich naiv nach einer romantischen-intakten Naturerfahrung. Die suchen sie dann in Thailand, wo sie mit dem Flugzeug hinfliegen und nur knapp dem Tsunami entkommen.

Aus der Mitte des Orchestergrabens wächst ein Objekt aus halb transparentem Stoff in den Raum, das an einen eingefrorenen Hurricane erinnert. Dieser Hurricane wird durch die Projektion mit einer Wohnzimmertapete aus bewegten Blumenornamenten belegt. Die domestizierten Blümchen entwickeln zusehends ein Eigenleben, sie gehen zurück zu einer Natur, die wir nicht sehen wollen, wodurch das Wohnklima im Hurricane zeitweise ungemütlich wird.

 

Mitwirkende
Komposition: Ralf Hoyer, Susanne Stelzenbach
Libretto: Barbara Kenneweg
Musikalische Leitung: Aurélien Bello
Regie: Antje Kaiser
Kostüme: Charlotte Pauly
Projektion, Bühneninstallation: Dominik Busch

Sopran: Katia Guedes
Altus: Kaspar Kröner
Sprecherin: Mariel Jana Supka
Bewegungskünstler: Johannes Grau, Georg Schütky

Kammerensemble Neue Musik Berlin

Auftrag und Produktion: Musikakademie Rheinsberg
Projektleitung: Dr. Brigitte Kruse