Abglanz - Reflection PDF Print E-mail
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28.9.2006, Interface Festival, Kleiner Wasserspeicher Berlin
Performance für mobile Lampe und Lautsprecher, Musterfolien, 4-Kanal-Audio

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Abglanz bezieht sich auf den Raum und die symmetrischen Formen des kleinen Wasserspeichers im Prenzlauer Berg, Berlin, für den die Arbeit gemeinsam mit Kirsten Reese entwickelt worden ist. Aus dem Grundriss des Raums werden Muster abgeleitet, die die Grundlage für die visuellen und akustischen Patterns der Performance bilden. Für den Aufbau der Arbeit werden die Muster auf im Raum aufgespannte durchsichtige Folien aufgebracht. Hierzu werden sie über einen Beamer auf die Folien projiziert und dann per Hand aufgetragen.
Die Muster sind nach Prinzipien strukturiert, die auch in der maurischen Ornamentkunst z.B. der Alhambra zu finden sind. Diese Verbindung bietet sich zunächst formal an, weil der Grundriss des Wasserspeichers ebenso wie viele der maurischen Ornamente eine zwölfzählige Symmetrie hat. Diese Verbindung ist überraschend, denn der Wasserspeicher war ursprünglich als reine Zweckarchitektur konzipiert; er sollte mit Wasser gefüllt und nicht durch ein Publikum betreten und wahrgenommen werden. Dennoch hat er eine Ästhetik hervorgebracht, die mit der Ästhetik der maurischen Ornamente verwandt ist, die, gleichzeitig streng und verspielt, durch mathematische Komplexität den Betrachter zu überwältigen versucht.

Während der Performance werden die auf den Folien aufgebrachten netzartigen Strukturen mit einer mobilen Lampe als gerichteter Lichtquelle an die Wände des Wasserspeichers projiziert. Durch die Bewegungen entsteht ein lebendiger und bewegter Effekt. Die Folien sind so plaziert, dass Überlagerungen in der Projektion möglich werden, wodurch neue und in sich bewegte Muster entstehen. Aus einigen bestimmten Perspektive ergänzen sich diese Überlagerungen zu einem passend ausgerichteten neuen Muster. Durch die Projektion wird gewissermassen eine verarbeitete Version des Wasserspeichers wieder auf ihn selbst zurückgeworfen. Die Erzeugung bewegter Bilder mit einfachen Mitteln und ohne Benutzung von Elektronik ist dabei Konzept, wofür wir den Slogan "media without media" benutzen.

Grundlage der akustischen Ebene der Arbeit bilden synthetisch generierte Rauschklänge, die auf unterschiedliche Spektren modelliert und gefiltert werden. Rauschen als Grundklang wurde gewählt, um dem extremen Nachhall des Wasserspeichers "neutrale" Klänge ohne eigene Ausschwinghüllkurven entgegenzusetzen. Der Hall und die Filterungen des Raums sollen die Klänge nicht verwischen, sondern färben. Zum anderen eigenen sich Raumklänge besonders, um über den stark gerichteten mobilen Lautsprecher abgestrahlt zu werden und die Reflektionen an den zahlreichen Wänden des Wasserspeichers deutlich wiederzugeben. Nicht zuletzt enthält das Rauschen eine lose Assoziation zu Wasserklängen, die einen Bezug zu der Nutzungsgeschichte des Aufführungsraums als Wasserspeicher herstellen. Unterschiedlich abgestufte Rauschklänge eignen sich auch besonders, um prägnante akustische Muster zu erzeugen, die ebenfalls aus den vom Grundriss des Wasserspeichers abgeleiteten visuellen Mustern gewonnnen wurden.

Während der Performance bewegt sich das Publikum mit den Performern durch den Raum, wodurch individuelle Seh- und Hörperspektiven entstehen. Jeder BesucherIn kann durch die Positionierung im Raum die individuelle Überlagerungen und Interferenzen und damit auch die eigene Erfahrung mitgestalten.

 

Homepage Kirsten Reese