| Kunstblütentapete Berlin |
|
|
|
| unternehmungen - installationen | |||||||
|
28.6.2008 Sommerfest der Berliner Festspiele, Festspielhaus Berlin
Ankündigungstext Die Berliner Festspiele als Gechäftsbereich der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH ist eine Aufmerksamkeitsagentur, die im knallharten Wettbewerb der globalisierten Aufmerksamkeitsökonomie mitmischt. Diesem Wettbewerb können sich auch die Kunstblüten der Kunstblütentapete nicht entziehen und versuchen, sich gegenseitig auszustechen und zu übertrumpfen. Manchmal zerplatzt auch eine Aufmerksamkeitsblase, glücklicherweise ohne ahnungslose Kapitalanleger in den Ruin zu treiben.
Allgemeines Kunstblütentapete Berlin ist die erste von vielen Kunstblütentapeten, die zu allen möglichen Anlässen entstehen werden. Die Kunstblütentapete Berlin ist eine interaktive Videoinstallation. Sie zeigt auf einer ca. 5 x 3,80m großen Projektion eine Art merkwürdige Wohnzimmertapete aus fünf sich permanent bewegenden Blüten. Die Blüten reagieren auf die Anwesenheit der Betrachter, indem sie sich bei Annäherung vergrößern. Jede Blüte versucht, so viel Aufmerksamkeit wie möglich auf sich zu ziehen, sich in den Vordergrund zu drängen. Wer einer von ihnen jedoch allzu nahe kommt, überspannt den Bogen und bringt sie zum zerplatzen. Worauf sie an anderer Stelle wieder neu auftaucht.
Bildwelt Die Blüten sind ständig Kaleidoskopähnlich in Bewegung. Einige setzen sich aus Bildern von Blumen zusammen, andere aus Bildern des Martin-Gropius-Baus und des Festspielhauses in Berlin. Die Blumenmotive werden bei Annäherung zu großen Pflanzenmonstern, während sich die Architekturelemente zu kathedralenähnlichen Gebilden aufplustern. Das Ergebnis ist eine metaphorische Kulturlandschaft, in der die opulent-traditionelle Formensprache des Martin-Gropius-Baus gegen den Rationalismus des Festspielhauses und die übersteigerte Formensprache der Naturblüten antritt. Kulturblüten kämpfen gegen Dekorblumen und alle gemeinsam dagegen, zum Blümchendekor zu werden.
Raum Der Raum wird bestimmt von einer langen Wand aus Waschbeton, in die Kieselsteine von 3-5cm Größe eingedrückt sind. Die im rechten Winkel dazu stehende Projektionswand ist mit einer Fototapete beklebt, die täuschend echt den Waschbeton imitiert. Um ein brillantes Bild zu erhalten, wird nicht direkt auf die Fototapete projiziert, sondern auf eine freigstellte weißen Fläche. In der Projektion wird der Hintergrund aus Waschbeton wiederum abgebildet, so dass die Kunstblüten darauf zu schweben scheinen. Die Projektion fügt sich so nahtlos in die angrenzenden Wände ein.
Interaktion Die Blüten vergrößern sich bei Annäherung, wobei sie bei mehreren Besuchern auf denjenigen mit dem kürzesten Abstand zur eigenen Position reagieren. Dabei werden sie nach Größe sortiert, die jeweils größte steht im Vordergrund und überlagert alle anderen. Um den Blüten zusätzlich digitales Leben einzuhauchen, werden ihre Bewegungen so gesteuert, dass sie ein- und ausschwingen. Wenn sich jemand einer Blüte zu sehr nähert, zerplatzt sie und entsteht mit einer Variation ihres Motivs an anderer Stelle neu. Jede Blüte hat 10-20 Variationen, aus denen nach dem Zerplatzen zufällig eine andere ausgewählt wird.
Technik Die Installation besteht aus einer Infrarotkamera, einem Computer und einem Videoprojektor. Auf dem Rechner läuft ein in Max/Jitter geschriebenes Programm, das die Bilder der Kamera analysiert und daraus die Position der Besucher und ihren Abstand von jeder der Blüten errechnet. Die Blüten sind in Echtzeit animierte Texturen im Puffer der Grafikkarte, es werden keine vorbereiteten Videos eingesetzt. Das Ein- und Ausschwingen der Bewegungen der Blüten wird über einen Physical Modeling Algorhythmus berechnet.
Links Kunstblüten bei den Berliner Festspielen Cycling 74, Hersteller von Max, MSP, Jitter
|